Jungenarbeit in Kindertagesstätten

 

  • Jungen machen Druck
Jungen fallen durch lautes Spielen auf.

Jungen stören jede Gruppenarbeit.

Jungen lösen ihre Konflikte immer mit Gewalt.

Jungen halten sich nicht an die Regeln.

Jungen treten in hierarchischen Gruppen auf.

Jungen laufen überall herum.

 

Diese Liste von den "schlimmen Jungen" ließe sich noch weiterführen und es würde sich an dem Bild von Jungen nicht viel ändern. Viel mehr würde sich das Bild von Jungen nur bestätigen: Jungen in Kindertagesstätten machen Druck. Es ist anstrengend mit ihnen zu Arbeiten und Pädagogen sind oft überfordert.

Um die Arbeit mit Jungen "leichter" zu gestalten, ist es wichtig, die Sichtweise auf Jungen zu ändern. Natürlich verhalten sich Jungen so, wie oben beschrieben, aber bei dieser Sichtweise auf und von Jungen zu bleiben, hilft weder den Jungen, noch macht sie die Arbeit mit ihnen "leichter".

Jungenarbeit ist eine Sichtweise auf die Jungen. Sie sieht nicht nur den Druck, den die Jungen machen, sondern fragt auch, warum sie das tun. Und stellt fest, Jungen machen nicht nur Druck, sondern sie haben auch Druck.

  • Jungen haben Druck
Jungen müssen eine Identität entwickeln, ohne genau zu wissen, was ein Jungen ist.

Auf ihrer Suche nach diesem "Junge sein" müssen sie fast ganz ohne männliche Vorbilder auskommen.

Sie greifen Bilder aus den Medien auf - aus Fernsehen, Comic und Action-Spielzeug

Sie orientieren sich an anderen Jungen und müssen sich vor diesen als Junge beweisen.

Sie wachsen in Frauenwelten auf und orientieren sich an deren Erwartungen und Bildern von Männlichkeit.

Jungen haben oft nur die Möglichkeit männliche Identität als Abgrenzung zu den Frauen zu entwickeln.

 

Jungenarbeit bedeutet zunächst, Jungen als das wahrzunehmen,
was sie sind: JUNGEN

 

Arbeit mit den Jungen

Ziel der Arbeit mit Jungen ist es, Jungen diesen Druck zu nehmen und sie bei der Entwicklung einer eigenen, selbstbewußten Identität als Junge zu unterstützen.

Das bedeutet, Jungen die Möglichkeit zu geben, in einem geschützten Rahmen, den eine Kindertagesstätte bieten kann, " Junge sein" auszuprobieren, ohne bewertet zu werden. Dies können die Jungen z.B. in der Verkleidungsecke, in der es neben den "typischen" Kleidern, Schuhe und Hüte, auch Feuerwehrhelme, Krawatten und Jacketts gibt, ausprobieren. Sie können sich in "Jungenrollen" ausprobieren. Sie könne auch die Kleider anziehen und werden dadurch nicht zum Mädchen, sondern bleiben Jungen. Sie haben auch die Möglichkeit, Dinge zu tun, die ein Junge " normalerweise" nicht tut, z.B. ins Atelier gehen und dort etwas basteln oder in den Ruheraum gehen und sich ein Bilderbuch ansehen.

 

Es geht nicht darum, Jungen etwas von ihrem Bild vom " Junge sein" zu nehmen, sondern dem Bild etwas hinzuzufügen, das die Jungen in ihre Identität einbeziehen können. Dies ist möglich, in dem mit den Jungen an ihren Bildern gearbeitet wird, durch Bilderbuchbetracht-ungen, Rollenspiele, Gespräch usw. . Wichtig ist es, die Bilder der Jungen nicht zu bewerten, sondern mit ihnen die Vor- und Nachteile dieser Bilder zu erarbeiten.

Ein wichtiger Teil der Arbeit mit Jungen, ist die Arbeit mit den Gefühlen. Jungen können erfahren, das Weinen, Angst haben, schwach sein, zum "Junge sein" dazugehört. Und sie können lernen, über Gefühle zu sprechen.

Jungenarbeit braucht keine besonderen pädagogischen Methoden, sie bedient sich der üblichen Methoden.

Jungenarbeit bedeutet, die Jungen mit ihren geschlechtsspeziefischen Bedürfnissen und Problemen wahrzunehmen und diese in das Konzept mit einzubeziehen.

Eine Voraussetzung für Jungenarbeit ist es, dass sich Pädagogen und Pädagoginnen mit ihrer eigenen geschlechtlichen Sozialisation und ihrem eigenen Bild von Jungen (und Mädchen) auseinandersetzen.

In einem vornehmlich weiblich dominierten Raum, wie es Kindertagesstätten im allgemeinen sind, bedeutet Jungenarbeit auch, zu versuchen, Männer in die Einrichtungen zu holen.

 

  • Ziele von Jungenarbeit
Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen stärken

Ein gutes Körpergefühl entwickeln

Gefühle wahrnehmen, ausdrücken und verstehen

Soziale Fähigkeiten entwickeln

Konflikte lösen lernen

Verhaltensmöglichkeiten erweitern

Gleichwertigkeit und Verschiedenheit von Jungen und Mädchen akzeptieren

Ein gleichberechtigtes Miteinander von Jungen und Mädchen entwickeln

 

 

Wichtig für die Arbeit mit Jungen ist auch die Arbeit mit ihren Vätern, da für viele Jungen der Vater die erste und wichtigste männliche Bezugsperson ist, von dem er lernt, wie es ist ein Junge / Mann zu sein.

 

 

 

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