Gewaltprävention in Kindertagesstätten und Grundschulen

Zusätzlich zur Arbeit mit dem aggressiven und gewalttätigen Verhalten von Kindern und Jugendlichen, ist es besonders in der heutigen Zeit wichtig , gewaltpräventiv zu arbeiten.

Zur gewaltpräventiven Arbeit gehören folgende Aspekte:

Definition von Gewalt

Um überhaupt gewaltpräventiv zu arbeiten, ist eine Definition von Gewalt unbedingt wichtig. Dabei ist die Unterscheidung zwischen Aggression und Gewalt ein zentraler Aspekt.

Wahrnehmung von Gewalt

Meine Wahrnehmung beeinflusst mein Verhalten gegenüber Gewalt. Hierbei müssen meine Erfahrungen mit Gewalt beachtet werden, denn diese beeinflussen meine Wahrnehmung.

Wenn ich als Kind geschlagen worden bin, kann es sein, dass mir Situationen , in denen scheinbar Gewalt vorkommt, Angst machen und ich werde mich bedroht fühlen . In solchen Situationen werde ich dann vielleicht "wegsehen" anstatt zu deeskaliereren.

Teamarbeit

Für die gewaltpräventive Arbeit ist die Zusammenarbeit und das "Teamgefüge" in dem Team von Bedeutung , das bedeutet :

  • Wie stehen wir zu einander ? Wie sind die Beziehungen
  • Wie verhalten wir uns als Team in Gewaltsituationen ?
  • Wer übernimmt welche Rolle in Gewaltsituationen ?
  • Wie werden Konflikte innerhalb des Teams geführt ?

    Als Team muss eine gemeinsame Handlungsweise für Gewaltsituationen erarbeitet werden , dazu können die Regeln zur Deeskalation von akuten Gewaltsituationen dienen. .

  • Beziehung

    " In Beziehung gehen und Grenzen setzen" ist der Hauptaspekt von Gewaltprävention . Nur wenn ich in Beziehung mit den Kindern bin, kann ich gewaltpräventiv arbeiten. Beziehung braucht Kontakt und Kontakt findet an Grenzen statt. Gewalt ist immer ein Kontaktabbruch, daher muss ich zur Deeskalation einer Gewaltsituation immer mit den Beteiligten in Kontakt / Beziehung treten. Konflikte kann ich nur in Beziehung mit den Kindern bearbeiten .

    Grenzen setze ich , in dem ich benenne , wie es mir geht und was ich von dem Kind möchte, bzw. was das Kind tun soll. Der Satz " Hier wird nicht gehauen" ist eine Sachaussage, hat keine Beziehungsaussage und ist daher keine Grenzsetzung und verhindert das "Hauen" kaum. Eine Grenzsetzung wäre es zu sagen : Ich möchte, dass ihr aufhört euch zu hauen. ( Ich ärgere mich, dass Ihr Euch haut und will das Ihr damit aufhört) . Dies ist eine Beziehungsaussage und daher eine Grenzsetzung. Schon die Begrüßung am Morgen , im Spiel und im alltäglichen Zusammenleben mit den Kindern findet Beziehung statt. In Beziehung mit ihnen zu leben ist Gewaltprävention.

    Kommunikation

    Sprache, Mimik und Gestik sind unsere Mittel zur Kommunikation. Kommunikation ist das wichtigste Mittel um Konflikte so zu führen und zu bearbeiten, daß die Grenzen gewahrt bleiben. Mit Sprache können wir Grenzen verletzten, beispielsweise mit Schimpfwörtern. Dies kann leicht zur Eskalation führen. Deeskalierend ist es zu sagen, wie es mir geht – in Kontakt gehen. Dazu dient Kommunikation.

    Strukturarbeit

    Strukturen können zur Entstehung von Gewalt beitragen, daher muss die Struktur des Hauses angesehen, reflektiert und gegebenenfalls verändert werden.

    Hier einige Fragen die bei der Strukturanalyse hilfreich sein können:

    Jungen – und Mädchenarbeit

    Jungen und Mädchen haben unterschiedliche Bedürfnisse und Verhaltensweisen, daher kommt es zu Konflikten zwischen ihnen, in denen auch Gewalt vorkommen kann. Auch das Konfliktverhalten von Jungen und Mädchen ist unterschiedlich, daher muß in der Arbeit mit ihnen darauf eingegangen werden.

    Ein Aspekt der Arbeit mit den Jungen zur Gewaltprävention liegt darin, dass sie lernen ihre Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken. Ein Aspekt für die Mädchen liegt darin, dass sie lernen , sich gegenüber den Jungen durchzusetzen.

    Beteiligung der Kinder

    Kinder an der Gestaltung der Kindertagesstätten zu beteiligen, sie mit entscheiden zu lassen, über Spielzeug, über die Raumgestaltung , über das Essen, über Themen etc., ist gewaltpräventiv, denn dadurch haben die Kinder die Möglichkeit, in Beziehung zur Kindertagesstätte zu gehen. Und wenn ich zu etwas eine Beziehung habe, werde ich es nicht so einfach kaputt machen.

    Beteiligung der Kinder kann zum Beispiel in Kinderversammlungen stattfinden. Diese Kinderversammlungen dienen dazu ein Forum für die Kinder und ErzieherInnen zu schaffen in dem sie mit einander die Gestaltung des Alltags in Kindertagesstätten besprechen und über Spiele etc. in Kontakt mit anderen Kindern und ErzieherInnen gehen können. Auch können diese Kinderversammlungen dazu dienen Konflikte zwischen Kindern untereinander und zwischen Kindern und ErzieherInnen zu bearbeiten.

    Konflikttraining

    Konflikte sind ein wichtiger Teil menschlichen Zusammenlebens, daher ist es notwendig zu lernen, Konflikte so zu führen, dass die Grenzen aller Beteiligten gewahrt bleiben. Dies können auch schon Jungen und Mädchen in Kindertagesstätten lernen.

    Aspekte eines Konflikttrainings für Jungen und Mädchen sind unter anderem :

    Positive Bewertung von Aggression

    Nur wer nicht aggressiv werden kann, wird unter Umständen gewalttätig, daher sind Aggression positive zu bewerten, zu zulassen und zu fördern.

    Interkulturelle Arbeit

    In der heutigen Zeit, in der die Ausländerfeindlichkeit zunehmend grösser wird, sollten Jungen und Mädchen andere Kulturen kennenlernen. Ziel dieser Arbeit ist es, ein gleichwertiges und gleichberechtigtes Miteinander der verschiedenen Kulturen zu lernen und zu leben. Zubeachten ist dabei, das Verhalten von Jungen und Mädchen vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen kulturellen Sozialisation zu verstehen ist, so haben Jungen aus dem islamischen Kulturkreis ein anderes Jungen - und Männerbild als wir. Sie verhalten sich z.B. dem entsprechen Mädchen und Frauen gegenüber abwertend. Um mit diesen Jungen zu daran zu arbeiten, müssen wir also verstehen wie das Jungen - und Männerbild dieser Jungen ist. Dazu ist eine Projektarbeit zum Thema Jungen /Mädchen in anderen Ländern möglich.

    Zu den einzelnen Aspekten gibt es in den Literaturliste Bücherhinweise, die sich ausführlicher mit den Aspekten beschäftigen.

     

    © Sascha Denzel 2002

     

    Deeskalation von akuten Gewaltsituationen